Podcasts sind im politischen Amerika mittlerweile eine „messaging necessity“. Auch in Österreich ist Politik ein fester Bestandteil der Podcast-Szene – nur halt ganz anders.
Vor einigen Tagen habe ich eine Folge über politische Podcasts in den USA gehört. Als großer Podcast-User und Polit-Nerd hat mich eine gewisse Faszination ergriffen – insbesondere wegen der Bedeutung und dem Potential dieser „ungescripteten“ Talk-Formate. Und wie immer kommt die Frage auf: Gibt’s das bei uns auch?
Unscripted, ungeschnitten und live: Der Erfolg von Talk-Radios in den USA
Bei der Podcast-Folge handelt es sich um die Ausgabe von „Checks and Balances“ vom 14. März 2025. Kurz gesagt: es geht um politische Podcasts in den USA.
Als US-Präsident Barack Obama 2015 bei Podcaster Marc Maron („WTF with Marc Maron“) zu Gast war, hat er damit einen Trend angestoßen. Auftritte bei solchen reichweitenstarken Podcastern gehören heute zur Selbstverständlichkeit in den USA, wie jene bei Late-Night-Shows. „The move seems prescient today. For politicians, appearing on podcasts is a messaging necessity, not an oddity.“ (John Prideaux in der „Checks & Balances“-Folge).
Woher kommt diese Bedeutung? Einerseits, Podcast als Bestandteil der politischen Kommunikation war keine ansatzlose Innovation, sondern hat sich aus einer Tradition der sog. „Talk-Radios“ seit den späten 1980ern bzw. frühen 1990ern entwickelt. Rush Limbaugh oder Glenn Beck sind unter Kennern auch in Europa geläufige Namen. Und zweitens, der Reiz und die Stärke von solchen Formaten liegen darin, dass sie unscripted (ohne Drehbuch), ungeschnittenen und live (bzw. live-aufgenommen) sind. Das schafft Nähe und Authentizität.
Dass Radio-Moderatoren, Podcaster, Influencer oder Foxnews-Moderatoren in der neuen US-Regierung Spitzenpositionen bekommen haben (z.B. Pete Hegseth als Verteidigungsminister, Dan Bongino von der Dan Bongnio Show als stellvertretender FBI-Direktor) verleiht dem Thema noch eine neue Bedeutung.
Aber wie sieht es in Österreich aus? Gibt es nicht auch hier Potential und eine Nachfrage nach diesen ungescripteten Talk-Formaten?
Podcasts über Politik, Interviews mit Politik.
Podcasts sind auch in Österreich mittlerweile zu einem relevanten Medium geworden. Lt. RTR „Online Audio Monitor Austria“ nutzen 40% der Bevölkerung Podcasts. Ca. ein Viertel der regelmäßigen Podcast-User sogar über 3 Stunden pro Woche.
Was fällt auf, wenn man österreichische Podcasts mit einer politischen Kommunikationsbrille ansieht? Es gibt hierzulande viele Podcasts über Politik, aber wenige fungieren als Gesprächsplattform mit (Spitzen-) Politikerinnen und Politikern.
Dunkelkammer und FellnerLive!
Die Podcast-Erhebung der Österreichische Auflagenkontrolle listet unter den Top 5 Podcasts Österreichs zwei „Politik-Podcasts“. Die „Dunkelkammer – der Investigativ Podcast“ von Das Kollektiv Medien GmbH mit 156.000 Downloads im Februar (Platz 4), sowie FellnerLive! von oe24 mit 85.000 Downloads.
Die Dunkelkammer ist zwar ein Podcast-Format, auch mit ausführlichen Gesprächen. Jedoch sind nur in seltenen Ausnahmefällen (ehemalige) Politiker oder Politikerinnen zu Gast. FellnerLive! hingegen ist das bekannte TV-Interviewformat von oe24.at. Hier kommen Politiker:innen aller Couleur – von amtierenden Regierungsmitgliedern bis zu ausdrucksstarken ehemaligen Politikern lässt dieses Format niemand aus. Es ist aber eben primär ein TV-Interviewformat, das die Podcast-Plattformen nutzt, um die Inhalte über einen weiteren Kanal auszuspielen.
Das gilt ebenso für das tägliche ZIB2-Interview (nicht in der Podcast-Liste der ÖAK angeführt) oder „Wild umstritten“ von Puls24. Letzteres ist auf Platz 15 mit knapp 30.000 Downloads zu finden.
Diese Form der (zusätzlichen) Distribution ist angesichts der doch relevanten Downloadzahlen nur verständlich. Dennoch wird der politische „Talk“ hierzulande kaum praktiziert und hat (daher) auch nicht die Bedeutung für die politische Kommunikation.
Vollständigkeitshalber ist „Ganz offen gesagt“ (Nr. 19 im Ranking, 24.000 Downloads, davon 21.000 in Ö) noch zu erwähnen, ebenfalls von DasKollektiv Medien Gmbh. Hier sind doch zum Teil auch Politiker oder Politikerinnen zu Hintergrundgesprächen zu Gast. Aber meist sind das nicht die aktuellen Amtsträger der Spitzenämter der Republik, sondern ehemalige, wie der zurückgetretene Tiroler Landeshauptmann-Stellvertreter Georg Dornauer, die ehemalige Klimaministerin Leonore Gewessler oder Ex-Vizekanzler und FPÖ-Chef HC Strache.
Podcasts kein Muss, aber Vielfalt steigt
So wie in den USA ist die Politik auch in Österreich Teil der Podcast-Szene geworden – allerdings: relevante Talk-Radio-artige Podcastformate gibt es kaum und haben wenig Bedeutung für die politische Kommunikation entwickelt. Dazu wird die „messaging necessity“ noch hauptsächlich über klassische Kanäle bedient.
Aber: in Österreich (und in Deutschland) wird durchaus Neues ausprobiert. Das reicht vom Aufbau eigener Nachrichtenplattformen und redaktionellen Bewegtbildangeboten (aka Videos im redaktionellen TV-Stil) bis zu Versuchen mit gänzlich neuen Formaten … (dazu mehr im nächsten Blog-Artikel).
